Greifensteiner Schützen- und Jägerverein

Die Patrone

Auf dieser Seite werden der Aufbau und die Einzelteile moderner Patronen beschrieben. Da dieser Artikel noch vor dem Verbot von Teilmantel- und Deformationsgeschossen für Kurzwaffenpatronen geschrieben wurde, beinhaltet er auch von diesen mittlerweilen verbotenen Geschossen.

Die Form einer Patrone

Zylindrische Patrone

Bei dieser Form sind die Wandungen der Hülse über die Ganze Länge nahezu parallel. Viele Kurzwaffenpatronen haben diese Form. Die Beispiele von links nach rechts: .45-70 Gouverment, .50 Action Express, .38 Special, .45 ACP

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flaschenförmige Patrone

Bei dieser Form ist der Hülsenmund auf einen kleineren Durchmesser als der Rest der Hülse eingezogen. Viele Langwaffenpatronen habe diese Form. Die Beispiele von links nach rechts: .30-06 Springfield, .303 British, .223 Remington.

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Die Einzelteile einer Patrone

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A Geschoss
B Hülse
C Zündhütchen
D Treibladung
E Zusammengefügte Patrone.

Die Hülse
Hülsen bestehen im Normalfall aus Messing. Es gibt aber auch Hülsen aus Stahl oder Kupfer, die aber nicht zum Wiederladen geeignet sind. Es ist ratsam beim Kauf von Fabrikmunition darauf zu achten, dass die Hülsen aus Messing sind, dass sie für Boxer-Zündhütchen (dazu später mehr) ausgelegt sind, und möglichst nicht aus militärischer Fertigung stammen. Der Grund warum ich Hülsen aus militärischer Fertigung möglichst umgehe ist folgender: Bei diesen Hülsen wird der Sitz des Zündhütchens zusätzlich durch eine Mehrpunkt- oder Ringverstemmung der Zündglocke gesichert. Es ist schwierig die alten Zündhütchen auszustossen, und noch schwieriger das neue Hütchen zu setzen.

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A Hülsenmund
B Hülsenhals
C Hülsenschulter
D Hülsenkörper
E Ausziehrille
F Hülsenboden mit Zündglocke

Das Geschoss

Über Geschosse wurden und werden ganze Bücher gefüllt. Ich will mich hier auf wesentliches beschränken. Geschosse gibt es in einer Fülle von Durchmessern und Gewichten. Da das richtige für die jeweilige Patrone und den jeweiligen Verwendungszweck zu ermitteln ist eine Sache von Datenbüchern und Erfahrung. Es gibt Geschosse in den verschiedensten Ausführungen. Meiner Meinung nach kann man sie grob in 4 Gruppen unterteilen:

  1. Bleigeschosse
  2. Verkupferte Geschosse
  3. Teilmantelgeschosse
  4. Vollmantelgeschosse

Bleigeschosse
Die sind normalerweise die billigsten unter den Geschossen, was aber nicht heissen muss, dass sie schlecht wären. Es gibt Patronen welche typischerweise mit Bleigeschossen geladen werden, so z.B. .45 Long Colt oder 44-40. Bleigeschosse sind nur für „langsame“ Laborierungen geeignet. Werden sie z.B. in eine „heisse“ .357 Magnum Laborierung verladen, leidet die Präzision und der Lauf wird verbleit. Ich lade Bleigeschosse z.B. für eine schwache .38 Spezial Matchpatrone oder für meine .45-70 Gouverment Standartlaborierung. Bleigeschosse können auch relativ leicht selber gegossen werden, dies ist aber eine andere Geschichte.

Verkupferte Geschosse
Nimmt man ein Bleigeschoss und überzieht es mit einer dünnen Kupferschicht erhält man ein verkupfertes Geschoss. Diese Geschosse haben den Vorteil, dass sie den Lauf nicht verbleien, etwas höhere Mündungsgeschwindigkeiten als Bleigeschosse aushalten und trotzdem relativ günstig im Preis sind. Bekannte Hersteller solcher Geschosse sind die Firma Coppal in Belgien und die Firma Händler&Nattermann (H&N) in Deutschland. H&N setzt bei einigen Typen ihrer beschichteten Geschossen noch einen drauf: Sie überziehen die verkupferten Geschosse zusätzlich mit einem Kunststoff der noch höhere Mündungsgeschwindigkeiten zulässt. Die Geschosse erhalten durch diesen Überzug eine gold-gelbe Farbe.
Lädt man Patronen mit verkupferten Geschossen zu stark, merkt man das ziemlich schnell: Der Kupfer löst sich in Streifen vom Geschoss und wird während des Fluges aufgestellt. Das Resultat sind schlüssellochförmige Einschüsse auf der Scheibe.

Teilmantelgeschosse
Dieser Typ von Geschossen sieht aus wie ein kleiner Kupferbecher welcher mit Blei überfüllt wurde. Dieser „Becher“, der Mantel also, besteht aus Tombak (Kupferlegierung) oder auch aus Stahl. Sehr verbreitet ist dieser Typ bei Revolverpatronen. Die Teilmantelgeschosse sind im Vergleich zu den Bleigeschossen und den verkupferten Geschossen teurer, halten aber eine grössere Mündungsgeschwindigkeit aus. Bei „heissen“ Laborierungen für Patronen wie die .357 Magnum, die .44 Magnum oder die .454 Casull sollten nach Möglichkeit Teilmantel oder Vollmantelgeschosse verwendet werden. Leider ist die Herstellung, der Import und der Handel dieser Geschosse für Kurzwaffen in der Schweiz mittlerweilen verboten.

Vollmantelgeschosse
Diese Geschossart ist von den Eigenschaften her den Teilmantelgeschossen sehr ähnlich. Die Mäntel der Vollmantelgeschosse sind wie bei den Teilmantelgeschossen entweder aus Tombak oder Stahl. Es gibt Vollmantelgeschosse bei denen das Blei, die „Füllung“ also, komplett eingepackt ist, und solche bei denen das Heck nicht durch den Mantel abgedeckt ist. Letztere sind sogar häufiger anzutreffen.

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Geschossbeispiele: (von links nach rechts)

  • Blei Flachkopf (LFP Lead Flat Point)
  • Blei Semiwadcutter (LSWC Lead Semiwadcutter)
  • Blei Wadcutter (LWCBB Lead Wadcutter Beavel Base)
  • Verkupfert Kegelstumpf (TCFC Total Copper Flat Cone)
  • Teilmantel Hohlspitz (JHP Jacketed Hollow Point)
  • Teilmantel Flachkopf (JSP Jacketed Soft Point)
  • Vollmantel Spitz mit konischem Heck (FMJS Full Metall Jacket Spitzer)
  • Vollmantel Rundkopf (FMJRN Full Metall Jacket Round Nose)
  • Vollmantel Rundkopf (FMJRN Full Metall Jacket Round Nose)
  • Vollmantel Spitz (FMJS Full Metall Jacket Spitzer)

Das Zündhütchen
Die gebräuchlichste Anzündvorrichtung bei modernen Patronen ist die Boxerzündung.Bei dieser Zündungsvariante besteht das Zündhütchen aus einem Metallnäpfchen welches innen eine schlagempfindliche Masse und eine Art Metallspinne als Gegenlager enthält.

Schlägt nun der Zündstift der Waffe eine Delle in dieses Näpfchen, wird die Zündmasse zwischen dem Näpfchen und dem Gegenlager eingeklemmt und detoniert. Die so entstehenden Funken gelangen durch das zentrale Zündloch im Hülsenboden zur Treibladung und zünden diese. Es gibt zwei verschiedene Grössen von Zündhütchen, gross und klein (Large/Small).

Es wird ebenfalls unterschieden ob das Zündhütchen für Kurz- oder Langwaffenpatronen ist (Pistol/Rifle). Und damit die Wahl des richtigen Zündhütchens noch etwas schwieriger wird, gibt es sie als „normale“ und als Magnum-Zündhütchen. Die Magnumhütchen sind etwas stärker als die normalen. Man setzt sie meistens bei „zündfaulem“ Treibladungsmittel ein. Es gibt also folgende Typen:

  • Klein für Kurzwaffe = Small Pistol
  • Klein für Kurzwaffe Magnum = Small Pistol Magnum
  • Gross für Kurzwaffe = Large Pistol
  • Gross für Kurzwaffe Magnum = Large Pistol Magnum
  • Klein für Langwaffe = Small Rifle
  • Klein für Langwaffe Magnum = Small Rifle Magnum
  • Gross für Langwaffe = Large Rifle
  • Gross für Langwaffe Magnum = Large Rifle Magnum

Eine weitere Zündvariante ist die leider immer noch existierende Berdan-Zündung. Der Unterschied zur Boxerzündung ist folgender: Bei der Berdan-Zündung ist das Gegenlager, der Amboss, in die Hülse eingearbeitet und die Hülse verfügt über zwei oder 3 seitlich um den Amboss angeordnete Zündlöcher. Man kann auch Berdan-Hülsen wiederladen, der Aufwand ist aber grösser und es ist heikler.

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Zündglocken und Zündhütchen: (von links nach rechts)

  • Zündglocke für Boxerzündung mit zentralem Zündloch
  • Zündglocke mit eingearbeitetem Amboss für Berdanzündung
  • Zündhütchen für Berdanzündung
  • Zündhütchen für Boxerzündung mit integriertem Amboss

Das Treibmittel

„Und wie viel Schwarzpulver tust du in so eine Patrone?“ Das ist die Frage die mir manchmal gestellt wird wenn ich jemandem im Schiessstand das Wiederladen erkläre. Das Treibladungsmittel moderner Patronen hat mit dem rauchenden, stinkenden (Ich bitte die Vorderladerschützen um Verzeihung) Schwarzpulver nur in etwa die Farbe gemeinsam. Moderne, rauchschwache Treibladungsmittel (Smokeless Powder) sind ein- oder mehrbasige Nitrozellulosepulver. Das Hauptkriterium zur Wahl eines Pulvers für eine bestimmte Patrone ist seine Abbrandgeschwindigkeit. Bei „langsameren“ Pulvern spricht man von progressiven Treibladungspulver, bei „schnell“ abbrennenden von offensiven. Die Abbrandgeschwindigkeit wird durch zwei Dinge bei der Herstellung von Treibladungspulver gesteuert:

  1. die Oberflächenbehandlung der Pulverkörner mit Chemikalien
  2. Die Form der Körner.

Das „wie viel“ der Frage am Anfang des Kapitels ist sehr wichtig. Falsches dosieren kann verheerende Folgen für die Waffe und den Schützen haben. Zuviel Pulver in einer Patrone kann ebenso gefährlich sein wie zuwenig. Um kein Risiko einzugehen braucht es drei Ding:

  1. Gesunden Menschenverstand
  2. Sorgfältiges Arbeiten
  3. Gute Ladehandbücher

Gesunder Menschenverstand und eine sorgfältige Arbeitsweise kann man nicht kaufen, obwohl das einige meinen, Ladehandbücher aber schon. Es gibt Ladehandbücher mit Ladedaten von verschiedenen Herstellern von Wiederladekomponenten. Eines der besten und universellsten ist meiner Meinung nach das der Firma Speer. Einige Pulverhersteller haben Ihre Ladedaten auch auf dem Internet.

Bilder und Texte wurden uns zur Verfügung gestellt von Waffen & Munition Ingold Schweiz